PISA – Studie Mobbing

PISA-Studie

Mobbing – ein großes Problem an deutschen Schulen

Tagesschau  Stand: 19.04.2017 11:25 Uhr

Jeder sechste 15-jährige Schüler in Deutschland wird regelmäßig Opfer von Mobbing. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle PISA-Studie der OECD. Zum ersten Mal wurden auch umfangreiche Daten zu Lernumfeld und Lernverhalten veröffentlicht.

In Deutschland wird nach einer neuen PISA-Studie fast jeder sechste 15-Jährige regelmäßig Opfer von teils massivem Mobbing an seiner Schule. Dies geht aus dem OECD-Report zum Wohlbefinden von Jugendlichen aus aller Welt hervor. Insgesamt sind Jungen im OECD-Schnitt häufiger Mobbing-Opfer in der Schule als Mädchen. Diese sind aber stärker von Ausgrenzung und bösen Gerüchten betroffen.

„Mobbing müssen wir in Deutschland viel stärker thematisieren, weil es hier oft noch an den Rand gedrängt wird“, sagte OECD-Direktor Andreas Schleicher. „Da hilft nur eine Null-Toleranz-Praxis, um deutlich zu machen, dass so etwas nicht akzeptiert wird.“ Man dürfe Schulpsychologen und Sozialarbeiter nicht allein lassen mit dem Thema.

„Klima sozialer Kälte und Verrohung“

Angesichts solcher Ergebnisse werde nach Ansicht der Präsidentin der Kultusministerkonferenz Demokratiebildung immer wichtiger: „Mobbing und ein zunehmend verrohender Umgang in der Gesellschaft und im Internet zeigen, dass die klassischen Kompetenzen – wie die Fähigkeit, werteorientiert und reflektiert zu handeln, Konflikte zu lösen und mit anderen Menschen konstruktiv und sozial zusammenzuleben – heute aktueller denn je sind“, sagte Susanne Eisenmann. Die Schüler müssten daher selbst erfahren, was die demokratischen Werte ausmacht und was es bedeutet, unterschiedliche Standpunkte zu diskutieren und Verantwortung zu übernehmen.

Auch der Chef der Linkspartei, Bernd Riexinger, beklagte ein zunehmendes Klima „sozialer Kälte und Verrohung“. Angesichts des Lehrermangels müsse Schulsozialarbeit „ein fester Bestandteil von schulischer Arbeit werden – an jeder Schule und dauerhaft“, forderte der Politiker.

„Klassische“ PISA-Studie erweitert

Bei der OECD-Sonderstudie wurden erstmals umfangreiche PISA-Daten zu Lernumfeld und Lernverhalten veröffentlicht. Der Report untersucht die Beziehung von Schülern zu Mitschülern, Lehrern und Eltern, außerdem Freizeitgestaltung und Zukunftswünsche. Damit erweitert die PISA-Studie das Blickfeld über kognitive Fähigkeiten hinaus.

Auch Fragen zum Zuhause

Nach OECD-Angaben wurden für „PISA 2015“ computergestützte Tests verwendet. Dabei handelte es sich um Multiple-Choice-Aufgaben und Fragen, bei denen die Jugendlichen eigene Antworten formulieren mussten. Sie füllten außerdem einen Hintergrund-Bogen aus, mit Fragen über sie selbst, ihr Zuhause sowie Schul- und Lernerfahrungen.

Hier kann der ganzr Text (leider nur Englisch) heruntergeladen werden:

http://www.oecd-ilibrary.org/education/pisa-2015-results-volume-iii_9789264273856-en?option6=imprint&value6=

Hier die Kurzfassung:

http://www.oecd.org/pisa/PISA-in-Focus-No-71-Are-students-happy.pdf